Saloon ist nicht gleich Saloon

 

Hollywood hat einiges dazu beigetragen, daß der Begriff »Saloon« eine bestimmte Vorstellung hervorruft: eine lange Theke mit dazugehörigem großen Spiegel, eine Anzahl Tische, einige davon dem Spielen und den Spielern vorbehalten, ein elektrisches Klavier und die unvermeidliche Schwingtür (die, soweit ich sehe, wohl nicht in ihrer heute bekannten Form existierte. Kein Photo zumindest zeigt sie). Gewiß, mit einigen Einschränkungen gab es derartige Stätten, aber sie waren in all den Jahren des sogenannten Wilden Westens keineswegs immer und überall die Norm.

 

Wie man sich leicht vorstellen kann, spielten bei der Ausstattung die jeweiligen äußeren Bedingungen eine entscheidende Rolle. So beispielsweise die Lage, die Verkehrsanbindungen, die Erwartungen und finanziellen Möglichkeiten der Kundschaft.

 

Die ersten »Saloons« waren von recht primitiver Bauart. Genau genommen waren sie von gar keiner Bauart. Sie bestanden ganz einfach aus mit Viktualien und anderen dringend benötigten Gütern beladenen Planwagen, von denen aus man das Gewünschte verkaufte. Wurde dann offenkundig, daß eine ständige Kundschaft zu erwarten war, entstanden die ersten Gebäude, zum Beispiel sogenannte Zeltsaloons.

Die schlichtesten dieser Art waren einfach größere Zelte, die auf dem nackten, festgestampften Erdboden aufgebaut wurden. Über dem Eingang wurde ein Schild befestigt, das Auskunft über die Aufgabe dieses gastlichen Ortes gab, innen wurden einige Planken über zwei Fässer gelegt (Theke) - fertig.

 

Die in der Regel bald darauf anstehende Weiterentwicklung versah das Zelt mit einem roh gezimmerten Fußboden und teilweise sogar mit hölzernen Seitenwänden. Der Ausschank erfolgte über eine aus unbearbeiteten Brettern zusammengenagelte kastenartige Bar, einige einfache Tische und Stühle dienten dem Komfort der Gäste. Geheizt wurde in der kalten Jahreszeit mit gußeisernen Öfen, die auf Planwagen oder Frachtbooten herbeigeschafft worden waren. Gab es Holz, so nahm man das als Feuerung, ansonsten behalf man sich mit getrockneten Büffel- oder Kuhfladen. »Bois de vache« (Holz des Rinds) nannten das die frankophonen Trapper.

 

Diese Zeltsaloons waren keineswegs nur in den frühen Zeiten der Besiedlung des Transmississippi-Gebiets üblich. In jeder neuentstehenden Boomtown oder Eisenbahnbaustelle bildeten sie bis in unser Jahrhundert hinein die Vorhut. Sie waren um 1900 in Nome, Alaska, ebenso zu finden wie fünf Jahre später in Goldfield, Nevada.

 

Die Bauweise etwas festerer Häuser richtete sich nach den vorhandenen Materialien. In waldreichen Gebieten waren Holzgebäude eher zu finden als auf der kahlen Prärie, wo die sogenannten aus Erde errichteten »Sodhouses« den gleichen Zweck erfüllten. Ebenfalls im Mittelwesten entstanden »Dugout Saloons«, die in einen Hügel gegraben wurden. Im Südwesten herrschten die alten mexikanischen Adobeziegel aus luftgetrocknetem Lehm als Baustoff vor. Die Beleuchtung variierte, wäre aber nach unseren heutigen Maßstäben kaum als eine solche zu bezeichnen. Wie übrigens auch in Europa - zumindest in den ärmeren Schichten - spielte der Kienspan noch eine große Rolle. Dieser spendet ein Licht, das zwar romantische Eigenschaften hat, aber kaum zur Erhellung des Raumes beiträgt, vom entstehenden Qualm ganz zu schweigen.

 

Eine Alternative war eine mit Schweinefett oder Walfischtran gefüllte Blechdose bei der ein alter Lappen die Funktion des Dochtes übernahm. Diese Alternative qualmte allerdings nicht nur, sie stank auch. Was die Leuchtkraft betrifft: Wir kennen heute im Deutschen noch die vielsagende Bezeichnung »Tranfunzel«. Darüber hinaus waren vielfach Kerzen in Gebrauch. Erst im letzten Viertel des vergangenen Jahrhunderts war überwiegend mit Petroleumlampen zu rechnen, in den letzten anderthalb Jahrzehnten mit Gas oder gar Elektrizität. Die Lampen selbst konnten einfachster Art sein oder regelrechte Kronleuchter, je nach Qualität des Saloons. In sonnenreichen Staaten befand sich häufig ein Oberlicht in der Decke des Gebäudes, um tagsüber teures Beleuchtungsmaterial zu sparen.

Eines hatten all diese frühen Saloons gemeinsam: Sie tarnten sich oft als Lebensmittelläden. Daß dies meistens eine reine Maskerade war, erfahren wir durch einen Bericht Horace Greeleys. Der Erfinder des Mottos »Geh nach Westen, junger Mann« erkundigte sich 1859 bei einem Ladenbesitzer in Colorado: »Haben Sie Crackers?« »Keine Crackers.« »Vielleicht Brot?« »Vielleicht was?« »Brot. « »Nein, Sir, (indigniert) das ist hier keine Bäckerei. « »Dann vielleicht Schinken?« »Nein. « »ja, was haben Sie denn?« »Na, ich habe Sardinen, eingemachte Austern, Tabak und, Fremder, ich habe den besten Whiskey, den Sie je getrunken haben.«

 

Unserer heutigen Vorstellung eines Saloons kommen wohl die mit einer falschen Vorderfront versehenen Gebäude am nächsten, die auf Hunderten von Photos der Nachwelt überliefert sind. Die »false front« diente in aller Regel dazu, ein nicht vorhandenes weiteres Stockwerk vorzutäuschen. Da das ohnehin jedermann wußte und es von der Seite betrachtet eher lächerlich wirkte, fragt man sich allerdings, was damit bewirkt werden sollte.

Sicherlich war es auch eine Kostenfrage, ob man nun ein wirklich zweistöckiges Gebäude errichtete oder nur so tat. Um 1880 kostete der Bau eines »normalgroßen« False Front Saloons etwa 500 Dollar. Wohlgemerkt nur der Bau, nicht die Ausstattung. Dennoch - das ist erstaunlich billig, bedenkt man, daß das Geld in etwa einer Woche wieder eingenommen war.

 

Andererseits ist uns die Rechnung für einen Dugout Saloon überliefert, die zeigt, was wirklich preiswert ist: Die ganze Geschichte belief sich auf 1 Dollar 65 (in Worten: einen Dollar fünfundsechzig). Mit Sicherheit brauchte der betreffende Wirt nur eine Tageseinnahme einzusetzen, um die so entstandenen »Unkosten« wieder auszugleichen. Welcher Art die Saloons auch waren - und man muß da unterscheiden zwischen denen in reichen Boomtowns und denen in durchschnittlichen Gemeinden -, sie hatten bestimmte Gemeinsamkeiten: Sie boten Unterhaltung. Als Konsument von Alkohol war man akzeptiert, ja, erwünscht was daheim nicht immer der Fall war. Vielfach gab es Musik - und wurde sie auch nur von einem mehr oder weniger begabten Klavier spieler produziert« In vielen Etablissements hatte sich ein Barbier niedergelassen, der natürlich Kunden heranzog. Die Beleuchtung war trotz der oben erwähnten Varianten - häufig besser als im eigenen Heim. In kleineren Ortschaften traf sich dort der Gemeinderat, oder es wurde Gericht gehalten - vielerlei Gründe also, sich im Saloon einzufinden.

Die wirklich noblen Saloons zeichneten sich durch einige Besonderheiten aus. In den meisten Fällen war ihnen das schon von außen anzusehen. Viele waren Klinkerbauten mit echtem zweitem Stockwerk. Die ersten Boardwalks - hölzerne Bürgersteige - wiesen auf ihre Bedeutung hin.Diese Boardwalks waren in den meisten Städten des Westens von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Die Straßen waren in keiner Weise befestigt, häufig nicht einmal planiert. Unerträglicher Staub und oft knietiefer Matsch waren die Folge. Selbst Vierergespanne steckten im Schlamm häufig fest, und das Überqueren der Straße bedeutete unter Umständen anschließende große Wäsche - bei damaliger Mode natürlich speziell für die Damen. Und hier ist noch die Rede von der Hauptverkehrsader


In diesem Zusammenhang taucht die Frage auf, über die man gemeinhin nicht spricht: Was tat der Saloonbesucher, wenn er einmal mußte? Nun, wenn die Natur rief, begab er sich meistens hinter das Gebäude und benutzte entweder gar nichts oder ein in einem Häuschen abgeschlossenes »Plumpsklo« (euphemistisch »Outhouse« genannt), je nach Qualität des Ortes oder des Saloons.

Daß Boardwalks die feineren Saloons - zumindest in der Entstehungszeit des jeweiligen Ortes - kennzeichneten, ist wohl verständlich. Diese hölzernen Sauberkeitshilfen führten häufig sogar vom Trink- und Spiel»salon« ins nahegelegene »Cathouse«, sprich Bordell. Die Gemeindeordnung ließ es oft nicht zu, daß in einem dem Trunke und dem Spiel gewidmeten Ort auch die Priesterinnen Amors ihre Dienste feilhielten.

Ein weiteres Erkennungszeichen der »posh« Saloons waren die »hitching rails« - die Zügelholme, denn es war zu erwarten, daß ein Teil der Kundschaft beritten erschien, selbst wenn davon auszugehen war, daß sich die meisten dieser Pferde- oder gar Wagenbesitzer ihres Transportmittels im nächstgelegenen Mietstall entledigen würden.

In Rinderstädten beschirmten des öfteren Eisen- oder Drahtgitter die Vorderfenster, weil die Wirte aus Erfahrung klug geworden waren. Die Pferde neigten nämlich bei schlechtem Wetter dazu, auf die Boardwalks zu steigen, denn diese waren überdacht. Bei ihrem Unwillen über die lange Wartezeit bewegten sie sich natürlich, wobei dann meist die eine oder andere Fensterscheibe zu Bruch ging.

 

Der typische - also durchschnittliche - Saloon war länger als breit. Das hing mit der Auslegung der Städte zusammen: Alles drängelte sich an der Hauptstraße, und die war - in der Entstehungsphase jedenfalls -eher kurz. Also mußte nach hinten ausgewichen werden, wie heute das Vermeiden zu hoher Grundstückspreise vertikal ausgeglichen wird. Die Wissenschaft hat mittlerweile festgestellt, daß - aus unbekannten Gründen - die Natur offensichtlich nach links orientiert ist. Diesem Grundsatz folgte unbewußt auch die Mehrzahl der Salooner: Das

wichtigste Möbel ihres Hauses - die Theke - stand links. Selbstverständlich gibt es Ausnahmen, aber die Regel sagt: Theke - links.

Wo immer sie standen, viele der Theken - oder Bars - waren Beweise erstklassiger Handwerksarbeit. Der Begriff »Bar« bezeichnet sowohl die Theke als auch - und das ist vielleicht noch wichtiger - die sogenannte »Back Bar«, also den hinter dem Bartender befindlichen Spiegel samt dem geschnitzten Rahmen, den Flaschenborden und Schubladen. Das »Museum«, wie es manchmal genannt wurde.

 

Gerade die Back Bar war häufig ungewöhnlich kostspielig. 1500 Dollar waren für ein einigermaßen ansprechendes Stück zu bezahlen. Das Kirschholz-Exemplar, das wir zur Zeit in Buffalo Bills Irma Hotel in Cody, Wyoming, bewundern können, hat heute einen Schätzwert von 100000 Dollar. Es ist französische Schnitzarbeit und wurde ihm von der englischen Königin Victoria geschenkt, da sie von Buffalo Bill's Wild West Zirkus so begeistert war. Die meisten anderen teuren Bars waren meist auch handgeschnitzt und aus folgenden Hölzern: Eiche, Mahagoni oder Walnuß, das bei weitem begehrteste Holz. Nicht in Frankreich - doch in England wurden sie zum Teil gearbeitet. Es war nicht einfach, sie in die anfordernden Boomtowns - denn nur dort konnte man sie bezahlen - zu schaffen. In Einzelteile zerlegt, mußten sie unendlich lange, unbequeme Strecken per Schiff, Ochsenwagen,(denn sie waren schwer) oder Eisenbahn überwinden. Allein der Gedanke an den Transport der wertvollen Spiegel läßt einen erschauern.

Doch viele der Bars stammten nicht aus Europa. Der »Mercedes« der Bars kam aus Chicago, und zwar von der Firma Brunswick-BalkeCallander. Brunswick of Chicago - wie sie normalerweise genannt wurde - verarbeitete das edelste aller Hölzer für ihre Bars: zirkassisches Walnußholz. Der Import war deswegen so schwierig und teuer, weil sich die erzeugenden Völker im Kaukasus um den Besitz der Walnußbäume stritten. Einer von ihnen entsprach im Wert zehn Olivenbäumen. Die Länge der Theke spielte bei der Werbung für Saloons eine erhebliche Rolle und war der Stolz eines jeden Besitzer. 15-20 Meter lange Bars waren keineswegs selten, und einige wiesen geradezu Rekordlängen auf. Breen's in San Francisco war fast 25m lang, das Albany in Denver konnte 36rn vorweisen. Der dazugehörige Spiegel war ebenso groß. Alle Rekorde aber brach Erickson's Saloon in Portland, Oregon Eine Theke von 225m stand den Trinkern zur Verfügung.

 

Ob lang oder kurz, ein gewisses Zubehör war bei allen erforderlich, so zum Beispiel eine Fußstütze, meistens aus Messing, um ein bequemeres Stehen zu ermöglichen, denn Barhocker gab es nicht, und alle zwei, drei Meter ein Spucknapf. Eine höchst wichtige Einrichtung, da viele der Gäste Tabak kauten (They had a chaw of >baccer< - wie das auf Cowboy Englisch« hieß). In diesem Zusammenhang wird die Geschichte erzählt, daß sich ein tabakkauender Gast des anfallenden Saftes entledigte, indem er einfach auf den Boden spuckte. Der Barmann rückte mehrmals zwar diskret, aber doch auffällig genug den Spucknapf in die Reichweite dieses Kunden. Woraufhin der - nachdem er sich diese Manöver eine Zeitlang stillschweigend angesehen hatte - bemerkte: »Wenn Sie nicht mit dieser Schieberei aufhören, werde ich in das Ding noch reinspucken.«

In etwa gleichen Abständen hingen Handtücher, die dazu dienten, sich den Schaum und Tabakreste aus dem Bart zu wischen - aus hygienischer Sicht eher ein zweifelhafter Service.

Doch manch einer drehte sich seine Zigaretten selbst - und die krümelten. Damals hieß es »He filled a blanket« (er füllte eine Decke) »to get a quirly« (um eine Gedrehte zu bekommen). Während des Krimkrieges (1853-56) entstanden die ersten, mit Hilfe von Zeitungspapier hergestellten Zigaretten. Britische und französische Soldaten fertigten eine pfeifenartige Tüte (die »Kosjanotschka«) oder ein zigarrenähnliches Äquivalent (die »Zirhaha«).

Bis zu dieser Zeit wurde Pfeife geraucht, und die Zigarre erfreute sich einiger Beliebtheit. Eine der bevorzugten Zigarrenmarken war die »Henry Clay«, die jedoch auch ihren Preis hatte: 35 cents pro Stück. Billigere Zigarren, »stogies« genannt, kosteten 1 Cent pro zwei Stück. Sie hatten einen Nachteil: Die letzten zwei Zentimeter schmeckten unangenehm bitter, waren das bekannte »bittere Ende«. Um den Geschmack aufzubessern, wurde dieses Ende gern in Whiskey getaucht.

 

Ein Cowboylied erzählt von dieser Gewohnheit: »My Loo Loo had a babylBorn on Christmas DayIShe washed his a ... in a wine glassl And called him Henry Clay.«

Obwohl Zigarre und Pfeife bis in unser Jahrhundert bevorzugt wurden, begann man ab 1870 die Zigarette als alternative Rauchmöglichkeit ' zumindest während der Arbeit, zu akzeptieren. Viel gekaufte Tabaksorten waren Bull Durham, Dime Durham und Duke's Mixture. Um 1855 patentierte der Schwede j. E. Lundström die ersten Sicherheitszündhölzer. Zuvor hatte man relativ umständliche Feuerzeuge verwendet, bestückt mit Feuerstein und dem sogenannten Schwamm, oder aber den Fidibus, wenn eine offene Flamme zur Verfügung stand. im Weinglas/Und nannte

Die Fußböden eines Saloons waren vielfach - unabhängig von ihrem eigentlichen Material - mit Sand oder Sägespänen bestreut, was das Säubern erheblich erleichterte.

 

Zusätzlich zum eigentlichen Schankraum verfügten viele Saloons noch über ein Nebenzimmer, daß für Gäste vorgesehen war, die ungestört sein wollten, oder in dem Billardtische standen.

Die Wände waren in unterschiedlichster Weise geschmückt. Beliebt waren Drucke, die von Brauereien zu Reklamezwecken verschickt wurden. Anhäuser & Busch (Budweiser) versorgten zum Beispiel um 1880 fast 150 000 Saloons mit einer Darstellung der Custerschlacht von Cassily Adams: Custer's Last Fight. Gemälde ganz oder halbnackter Damen erfreuten das Auge ebenso wie sentimentale Werke im Stil der Zeit. Die Damen verfügten natürlich über eine Figur, die damals als attraktiv empfunden wurde. Das heißt, man konnte ihre Taille mit zwei Händen umfassen, aber sie hätte Probleme gehabt, sich in einem normalen Theatersitz niederzulassen.

Anderswo dienten Gehörne und Geweihe der Dekoration. Brandeisen, Sättel und Sporen erfüllten den gleichen Zweck. Einige Saloons hatten gar das Bildnis einer jungen Frau auf dem Fußboden, um das sich dann die ungewöhnlichsten Legenden rankten. All diese Porträts haben denselben Ursprung. Ein heute - wohl zu Recht - vergessener Dichter namens Hugh A. D'Arcy schrieb 1888

ein Gedicht mit dem Titel »A Face on the Floor«, das eine außerordentliche Popularität genoß. Und es dauerte gar nicht lange, bis clevere Wirte in ihren Saloons eben dieses Bild vorweisen konnten. jedes war natürlich das Original, auf das sich das Poem bezog. In den 1950er Jahren nahm Tex Ritter eine Platte auf, die »A Face on the Barroom Floor« hieß und erneut örtliche Künstler und Wirte inspirierte. Ein weiteres dekoratives Element waren einfache Reklametafeln, auf denen die jeweiligen besonderen Leistungen des Hauses angepriesen wurden: Getränkepreise, freie Snacks, Spielmöglichkeiten oder die schlichte Feststellung, daß man sich im besten Saloon weit und breit befände.

Es geht die Sage von einem Wirt, der Analphabet war, und aus diesem Grund einen Schreiber beauftragte, ihm ein Schild zu gestalten, das besagte, hier gäbe es den besten Whiskey. Da er ihn aber verärgert hatte, schrieb der des Schreibens Kundige kaufen den schlechtesten Whiskey. « Der Schuß aus Rache: »Wir verging nach hinten los. Neugierig geworden, strömten Gäste in ungeahnter Anzahl in den Saloon und bescherten dem Wirt das Geschäft seines Lebens.

 

Auf einen ähnlichen Effekt hoffte wohl der Besitzer von Nomes berühmten Second Class Saloon. Er hatte ihn mit der Begründung so genannt, weil er den Eindruck gewonnen hatte, daß es in ganz Alaska nur erstklassige Häuser gäbe, und er sich von den anderen unterscheiden wolle. Will man der Filmindustrie glauben, so schwirrten in den Saloons Hundertschaften von attraktiven Animierdamen herum, die der Kundschaft freundlich zu Getränken und anderen Dingen verhalfen. Im - in der Realität meist nicht vorhandenen - oberen Stockwerk befand sich, Hollywood zufolge, eine Art Stundenhotel. Prostitution war zweifellos weit verbreitet und florierte im ganzen Westen. Doch in den meisten Boomtowns war es Frauen allgemein und Gunstgewerblerinnen im besonderen verboten, Gaststätten zu betreten. Das soll nicht heißen, daß es die erwähnten Amüsierdainen nicht gab, doch waren sie in der Regel nur in Ortschaften zu finden, die sich noch keine Gemeindeordnung gegeben hatten.

Ansonsten waren die Bordelle fein säuberlich vom übrigen Unterhaltungsgewerbe getrennt, wenn auch leicht zu erreichen. Berühmtberüchtigte Städte wie Abilene oder Fort Worth hatten besondere Areale für die Rotlichtbezirke abgesteckt. »Texas Addition« nannte man das, oder »Devil's Half Acre«. In Dodge City begab man sich »south of the tracks« (südlich der Bahnlinie), das Amüsierviertel Wichitas lag außerhalb der Stadtgrenze.

Das geschah nicht nur aus moralischen Erwägungen, wenn die natürlich auch eine Rolle spielten, sondern vor allem, um die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung zu erleichtern. Die Überlegung war: Frauen allein - schön und gut; Alkohol allein - schön und gut; doch Frauen und Alkohol sind eine zu brisante Mischung.

Die Männer waren demnach auf Glücks- und andere Spiele, vor allen Dingen aber auf Alkohol angewiesen, wollten sie sich entspannen.