Sehnsucht, Lied und Protest 

 

Für die Amerikanische Volksmusik gilt besonders bei den Spiritual - Songs: Es gibt keine end- und allgemeingültige Aufzeichnung von Noten und Texten. Die Songs leben mit dem Volk und wurden und werden immer wieder variiert.

Die Bezeichnung Spiritual wurde seit dem 18.Jahrhundert von den amerikanischen Siedlern für Hymnengesänge und geistliche Lieder verwendet. In der Zeit Erweckungsbewegung - Great Awakening , die um 1750 durch die Bußpredigten Johnathan Edwards ihren Anfang nahm, wurde überlieferte Kirchenmelodien abgewandelt, neue erfunden und spontan mit Texten versehen. Nach einzelnen Verszeilen wurden Begeisterungsausbrüche wie "Glory, Glory Hallelujah" eingeschoben und nach jeder Strophe Refrains angehängt.

Die Schwarzen erlernten die Melodie der Weißen, und diese wiederum ließen sich durch die eigenartige Rhythmik der Gesänge der Schwarzen beeinflussen. Nebeneinander entwickelten sich "weiße" Spiritual Songs und die christliche - religiösen Gesänge der Schwarzen, die Negro - Spirituals. Beide weisen große Ähnlichkeiten auf. Freilich sind gewisse Eigenheiten der Negro - Spirituals unverkennbar, die erste Verszeile wird im allgemeinen wiederholt. Oftmals haben die Texte im übertragbaren Sinn eine mehrfache Bedeutung, mit dem "Jordan" war es z.B. nicht nur der Fluß gemeint, über den man ins himmlische Paradies gelangt, sondern gleichzeitig die Grenze zur Freiheit von der Sklaverei (sehe die grenze zwischen Süd- und den Nordstaaten).

Bei der Arbeit der schwarzen Schiffer wiederum war der Jordan praktisch jeder Fluß, über den sie gerade fuhren. Das jenseitige Ufer war nicht nur das Gelobte Land, sondern eben das Land der Freiheit, und im Arbeitslosen schließlich ganz einfach das andere Ufer, das mit himmlischer Hilfe erreicht werden sollte.

Besonders im Rhythmus spürt man den Einfluß der afrikanischen Musiktradition auf der Negro  - Spirituals. Die metrische Form ist typisch für alle Arten der afro - amerikanischen Musik, vom Spiritual über den Blues bis zum Ragtime. Man verwendet gerne den Ausdruck "Gospel - Song" für Negro - Spirituals und meint damit eine bestimmte Kunstform, wie sie durch Mahalia Jackson und andere Gospel - Singers in unseren Jahrhundert geprägt wurde.

Diese Sänger brachten einswingendes, Jazzmäßiges Element in die alten geistlichen Gesänge. Im Negro - Spiritual verbindet sich Solo (Leader) und Chorgesang (Chorus).

Dagegen ist der weltliche Blues ursprünglich ein Sologesang. Die klassische Blues - Strophe besteht aus 12 Takten mit drei Verszeilen, in der ersten Zeile wird festgestellt oder gefragt, die zweite ist eine Wiederholung dieser Feststellung bzw. Frage, und in der dritten Zeile wird eine Erläuterung oder eine Antwort gegeben. Zugrunde liegt das Harmonieschema einer einfachen Kadenz. 

Manchmal ist auch die dritte Zeile eine Wiederholung in abgewandelter Form, und erst die vierte bringt eine weitere Erklärung. Auch die Grundharmonien werden angereichert durch Nebenstufen. Immer wieder faszinierend für uns Europäer ist die eigenartige Musik eines echten Blues. Es sind die sogenannten "bluesnotes", die sie bestimmen. Man kann sie in unserer Notenschrift gar nicht richtig ausdrücken. Als Hilfe für den Sänger und Instrumentalisten werden die dritte und siebte Stufe der diatonischen Durskals im Notenbild erniedrigt, z.B. wird in C-Dur statt eines E (dritte Stufe) ein E`s, statt eines H (siebte Stufe) ein B geschrieben. Das ist nicht ganz korrekt. Denn jeder, der schon einen Blues von einem schwarzen gehört hat, weiß daß der Ton in Wahrheit zwischen E und Es bzw. H,B und A je nach der folgenden Auflösung schwankt. Diese Schwebende, Unbestimmte gibt hervorragend den meist klagenden Inhalt des Textes musikalisch wieder.

Für einen einfachen Blues - Improvisation auf der Gitarre, z.B. in E, verwendet man die fünftönige (pentatonische) Blues-Tonleiter an den Bünden 9, 10, 12.

 

Abwärts : e, d, h, g, e, usw.    Aufwärts : e, g, a, h, d, e, usw.

 

Selbstverständlich sind der Phantasie mit wechselnder und springenden Tonfolgen keine Grenzen gesetzt. Zunächst wurde der Blues ohne Instrumentalbegleitung gesungen, später mit Gitarre, Banjo und schließlich Klavier. Als Begleitfiguren bildeten sich Boogie - Woogie Bässe heraus, die ständig wiederholt werden. Sie zeigen Verwandtschaften mit lateinamerikanischen Tango - und Rumbafiguren. Der Blues wurde zu einer der wesentlichen Grundlagen einer musikalischen Revolution, der Entwicklung des Jazz.

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