Desperados, Cowboys und Heros

 

Bis heute haben die alten Balladen ihren Reiz als volkstümlichste Form der Nachrichtenübermittlung nicht verloren. Es mag uns kalt über den Rücken laufen, wenn wir die schaurig schönen Erzählungen von den Untaten der Desperados singen oder hören. Wir fühlen mit den unglücklichen Verliebten, erschrecken von der eiskalten Konsequenz eifersüchtigen Liebhaber, schmunzeln aber auch über die ironische Verklärung mancher -  Volkshelden - bis ins Unsinnige.

 

Volkshelden sind sie eigentlich alle, die namentlich in den Balladen erwähnt werden. Entweder Helden der Liebe oder der Kraft oder eines Berufsstandes. Es verschaffte den weißen Farmen, den unterdrückten Schwarzen und den zivilisierten Städtern eine gewisse Befriedigung, sich mit ihnen zu identifizieren und von eigenen Heldentum zu träumen.

 

Das 19. Jahrhundert war die große Zeit der nordamerikanischen Ballade. Die weißen Siedler drangen immer weiter nach Westen vor. Das Leben war hart, Frauen waren eine Rarität, und die Auseinandersetzung mit der sich zu Recht wehrenden indianischen Urbevölkerung forderte eine ständige Kampfbereitschaft. Kein Wunder, das so manchen Abenteurer die Pistole oder das Messer allzu locker im Gürtel steckte.

 

Die "Nachrichtentexte" wurden häufig zu überlieferten bekannten Melodien gesungen. Dadurch konnten sie sich rasch verbreiten. Oftmals wurden auch alle Balladenverse in neue Zusammenhänge gebracht oder Teile alter Melodien mit neuen gemischt.

 

Der Anschluß von Texas (1845) mit seinen schier unermäßlichen Rinderherden führte zu einem Berufsstand, den Cowboys. Sie mußten die Rinder 1000 Meilen hinauf bis nach Kansas treiben, wo sie in die Rinderstädten Abilene oder Dodge City in Eisenbahnwaggons verladen und in die Schlachthäuser des Ostens transportiert wurden. Der berühmte aller Rinder Trails war der Chisholm - Trail, auf dem die Cowboys drei Monate Gefahren und Risiken auf sich nehmen mußten, denn er führte durch Indianerland, reißende Flüsse und unzivilisiertes Gebiet.

 

In den Liedern, die damals entstanden, kommt meistens mehr die scheinbare Romantik des Cowboyleben zum Ausdruck als der wirkliche harte Daseinskampf. Manche dieser Cowboy - Lieder sind auch nicht an Lagerfeuer entstanden, sondern aus der Sehnsucht der Städter nach Abenteuer und Freiheit in der grenzenlose scheinenden Weite des Landes, so z.B. das berühmte "Home on the Range", das ein Arzt verfaßte.

 

Die "Wagoners", die in Ochsen- und Pferdekarren Waren von Ort zu Ort transportierten, und die "Loggers" (Holzfäller) wurden ebenfalls zu "Volkshelden". Ihre Arbeit, die Mut und Kraft erforderte, wurde begeistert besungen. Ebenso später die Besonnenheit und Furchtlosigkeit der Eisenbahnpioniere. Railroad - Songs nehmen einen breiten Raum in der amerikanischen Volksmusik ein. Nicht zu vergessen die Shanties der Schiffer, die insbesondere vor, aber auch noch dem Bau der Eisenbahn eine wichtige Transportfunktion auf den großen Seen und Flüssen Nordamerikas erfüllten.  

 
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