Vom Rock'N'Roll bis Reggea

 

 

Die Musik ist mein Leben, na ja ein Teil davon. Ich bin kein Buchschreiber oder habe einen Doktortitel oder dergleichen, aber ich lese sehr gerne und viel darüber. Leider hat man niemanden mit dem man darüber plaudern kann.

Die Entstehung und Geschichte der Rockmusik erstreckte sich über eine  lange Zeit. Die Version des populären „Rock’n’Roll“ entstand aus der Mischung des „Rhythm and Blues“ der Afroamerikaner und der „Country- and Western-Musik“ der Weißen. 

Ob der Begriff  „Rock and Roll" von einem Diskjockey  namens Allan Freed ausgeht  - diese Tür bleibt offen - er soll angeblich 1951 zum ersten Mal in seiner ausgestrahlten Radioshow in Cleveland diesen Begriff benutzt haben. Freed wollte „farbigen" R’n’B an den weißen Mann bringen und musste ein unverfängliches Etikett schaffen, um diese Musik, im, von rassistischen Vorurteilen geprägtem Amerika, einer breiten Masse zugänglich zu machen.

Aber lasst uns springen, in der Zeit wo es richtig losging, na ja der Anfang zumindest. Also auf nach Memphis, Tennessee, USA ,wo auch der Blues entstand, gründete der Radio-Ingenieur Sam Phillips 1953 die kleine unabhängige Plattenfirma „Sun Records". Dort entstanden die ersten Aufnahmen mit Künstlern, die heute zu den großen Legenden des Blues gehören. Mit dem Sun-Label begann Phillips seine Produktionen auch selber zu vermarkten. Der Legende nach soll Phillips immer wieder zu seiner Sekretärin gesagt haben, wenn er nur einen Weißen finden könnte, der das schwarze Feeling hätte, könnte er Millionen machen. Es sollte auch nicht lange dauern, denn im Jahr 1953 spazierte ein 18 Jahre alter Junge namens Elvis Presley in das Studio, der - wie sich später herausstellen sollte - jener Weiße mit dem schwarzen Feeling war. Angeblich wollte Presley für ein paar Dollar einen von ihm gesungenen Song auf Platte pressen, um ihn seiner Mutter zum Geburtstag zu schenken. Man redet auch in Fachkreisen davon das man annimmt, dass Presley die Aufmerksamkeit von Phillips erregen wollte, da er von einer Karriere als Sänger träumte. Na ja egal wie, diese Rechnung ging auf. 1954 veröffentlichte Phillips auf Sun Records den Single „That’s All Right (Mama)" mit Elvis Presley. Bei dem Titel handelte es sich um einen alten Song des Blues-Musikers Arthur „Big Boy" Crudup, der den Song bereits 1946 aufgenommen hatte. Crudup starb 1974 als armer Mann und wäre heute sicher nur einer kleinen Zahl von Blues-Fans bekannt, hätte er sich nicht durch die Coverversionen Presleys (er nahm später auch Crudups „My Baby Left Me" und „So Glad You’re Mine" auf) eine Fußnote in der Geschichte des Rock verdient. Die Songs, die Presley für Sun aufnahm, werden heute vielfach als Geburt des Rockabilly und somit auch des Rock’n’Roll gesehen. 1955 wechselt Presley zu der großen Plattenfirma RCA-Victor und sein kometenhafter Aufstieg war nicht mehr aufzuhalten, wie ja nun jeder sicher weiß. Aber zurück zu den 50er Jahren. Damals „unbekannte“ Musiker kamen zum Sun Records, es waren u.a. Leute wie Roy Orbison, Johnny Cash, Carl Perkins und Jerry Lee Lewis. Heute bezeichnet man es als die „Wiege“ des Rock`n`Roll. Wenn man alles glaubt was gesagt oder geschrieben wurde, so wollte Sam Phillips den Song „Rocket 88" bereits 1951 als „die erste Rock’n’Roll Single“ überhaupt aufgenommen haben. Nun ja, Eingespielt wurde dieser Song von Jackie Brenston and the Delta Cats. Aber richtig ist es, dass die Band Ike Turners, der spätere Ehemann der Sängerin Tina Turner diesen Song einspielte. Wiederum andere  Autoren bezeichnen die 1954 veröffentlichte Single „Sh-Boom" von den Chords (einer farbigen Gesangsgruppe) als die erste Rock’n’Roll Single. Daneben wird auch die Meinung vertreten, dass New Orleans mit Fats Domino („The Fat Man", 1949) und Lloyd Price („Lawdy, Miss Clawdy", 1952) die Geburtstätte des Rock’n’Roll gewesen sei. Der erste weiße Rock’n’Roll-Hit wird jedenfalls Bill Haley mit „Crazy Man Crazy" von 1953 zugeschrieben. Schön wenn man sich einig ist.

Doch der Begriff „Rock" tauchte bereits Ende der 30er Jahre in Ella Fitzgeralds „Rock It For Me" auf, ein Schreiber von Beruf, also ein Jounralist Namens Robert Palmer (Nicht der Pop Sänger) wirft mit Goree Carters „Rock Awhile" von 1949 einen weiteren Anwärter auf den Titel „1. Rock’n’Roll-Platte" in den Ring. Nicht ganz unerwähnt, um mal kurz in die Country Musik Geschichte einzugehen, dürfen in diesem Zusammenhang die Namen Jimmie Rogers und Hank Williams bleiben. Diese beiden "Väter" und die ersten großen Stars der damaligen „Volksmusik“ der heutigen modernen Country Music, haben den weißen Rock'n'Roll in seiner Entstehung in kaum zu überschätzender Weise inspiriert. Tatsächlich war ihre Musik stilistisch und formal stark vom Blues geprägt.
Stellen wir mal einen weiteren Aspekt dem  "Rock vor dem Rock" dar: So könnte man den Jump Blues der 40er Jahre bezeichnen, der manchmal schon mehr rockte als swingte. Stilprägend war hier der große Bandleader und Saxophonist Louis Jordan, dessen Repertoire von Country-, Rock'n'Roll- und Bluesmusikern gleichermaßen aufgegriffen und im jeweiligen Stil interpretiert wurde.

In den Kiegsjahren (1939 – 1945) war nicht nur die Welt in Streit und in Aufruhr, sondern man durfte in Deutschland dieses „gedudele“ und „gejammer“ dieser „Neger Musik“ nicht in Radio hören, also öffentlich nicht. Klar hörte die Jungend damals es heimlich, Musikgeschäfte hatten einen großen Boom an „Schwarzen LPs“ also LPs von den Großen Jazz- und Blues Sänger/innen sowie Gruppen. Man kann ruhig sagen das die Jugend der Nachkriegszeit nach einer aufregenderen Musik als den damals üblichen Schnulzen suchte, nach einer Musik, die das Lebensgefühl einer Generation ausdrückte, die sich bewußt von der Welt der Erwachsenen distanzieren wollte. Unbewusste zum ersten Mal stellten die heranwachsenden Menschen eine kommerziell interessante Käuferschicht. Rock’n’Roll war zunächst also eine Teenie-Musik, gehaßt von den Erwachsenen.
Bald schien diese Modeerscheinung, auch wieder zu verschwinden. (außer die Jeans oder Coca Cola, die englischen Begriffe, der Weihnachtsmann in Rot u.a.) Presley mußte zum Wehrdienst und nahm anschließend nur noch Schnulzen auf, Jerry Lee Lewis’ Karriere nahm durch diverses Heiraten (u.a. mit einer angeblich 14-jährigen) und Scheidungsskandale ein jähes Ende, Little Richard wandte sich der Religion zu, Buddy Holly und Eddie Cochran verunglückten tödlich, Chuck Berry saß im Gefängnis, usw. Die mittelgroße Kriese des Rock wurde von geschniegelten Ersatz-Rockern abgefangen, ansonsten war nichts Aufregendes geboten.

Ihr, die meine Homepage lest, kennen mich ja nicht persönlich aber ich liebe es wenn man über Musik diskutieren kann. Doch es ist müßig zu diskutieren, ob der Soul der Afroamerikaner ein Genre des Rock oder eine eigenständige Musikrichtung ist. Die Wurzeln hat er jedoch im R’n’B (Rhythm’n’Blues ). Das besondere am Soul ist der stark vom Gospel beeinflusste Gesangsstil. Typisch sind die „Melismen": Es wird dabei „um den Ton herum" gesungen. Ray Charles war der erste Künstler, der seit den späten 50er Jahren diesen Stil entwickelte. Während es bei Bluesmusikern als Sünde galt, säkulares Material mit geistlichem zu mischen (da der Blues als weltliche Musik etwas Sündiges ansich hatte), nahm Charles Gospel-Songs und sang sie mit weltlichen Texten. Aber Mr. „Sex“ James Brown entwickelte ebenfalls einen frühen Soul-Stil. Später war er maßgeblich an der Entstehung des Funk - einer stärker rhythmusbetonten Form des Soul - beteiligt. Als erstem Sänger gelang es Sam Cooke, den Soul als Popmusik in den Charts zu platzieren. Interessant ist nebenbei, dass Elvis sich bei seiner Bühnenshow von Jackie Wilson inspiriert haben lassen soll. Die Geschichte des Soul in den 60er Jahren ist eng verknüpft mit der Bürgerrechtsbewegung in den USA. In Memphis entstand das Stax-Plattenlabel, in dem gemischtfarbige Bands qualitativ hochwertige Musik einspielten, die bis heute gültige Maßstäbe (nicht nur für den Soul) gesetzt hat. Legendär ist z.B. die Instrumentalband Booker T. and the MGs. Zum ersten Mal in der Geschichte des Pop kauften Schwarze und Weiße die gleichen Platten. Den Musikern im Süden der USA war es damals noch nicht möglich, gemeinsam ein öffentliches Restaurant zu besuchen. Im Studio galten solche Beschränkungen glücklicherweise nicht. So entstand durch einen fruchtbaren Austausch eine aufregende Musikrichtung.

 

Immerhin hatte der Soul seine Blütezeit in Mitte der 60er Jahre, ob die golden e Ära des Soul mit der Ermordung von Martin Luther King am 4.4.1968, endete bleibt fraglich. Doch zurück zur Rockmusik im engeren Sinne (noch enger). Die weiteren Impulse in der Entwicklung dieser Musik gingen ab den frühen 60er Jahren verstärkt von England aus. In London und Liverpool gab es eine lebhafte Musikszene, die die Musik der Rock’n’Roll- und Blues-Idole aus den USA aufgriff und weiterentwickelte. Der Blues herrschte in London vor und die Rolling Stones wurden bald die Heroen dieser Szene, bevor sie internationalen Ruhm ernteten. Und da kommen sie Die Beatles aus Liverpool, nahmen 1964 Amerika im Sturm. In ihrem Gefolge wurden viele britische Gruppen in den Staaten populär und man spricht deshalb von der „Britischen Invasion". Die Exponenten des 60er-Jahre-Rock waren unter anderem die The Kinks und die Who’s aus Großbritannien und die Byrds und die Beach Boys aus USA. In den späten 60ern wurden Musiker wie The Doors und Janis Joplin und Jimi Hendrix überaus populär. Es war die Zeit der „Flower Power" und das Woodstock-Festival im Jahre 1969 stellt den Höhepunkt dieser Ära dar.
Dagegen gab es auch Bands, die wie die Stooges einen fiesen Garagen-Rock machten, der als früher Punk gilt. Ihre erste LP wurde von John Cale produziert und kam 1969 raus. Sänger Iggy Pop hat all diese Exzesse überstanden und macht noch immer regelmäßig Platten. Ebenfalls 1969 kam das Debüt der MC5 in die Läden. Es handelt sich um einen Live-Mitschnitt der roh und ungeschliffen die schiere Energie dieser kurzlebigen Band wiedergibt. Viele Hardrocker berufen sich auch noch Jahrzehnte später auf diese Combo als wichtigen Einfluss.
 

Er wurde geboren und er stirbt auch, der Rock’n’Roll. Zwischen 1970 und 1971 starben Hendrix, Joplin und Jim Morrison (Sänger der Doors) an Drogen, dies war unweigerlich der Tod des Rock’N’Roll. Denn die Beatles lösten sich auf und mit den Rolling Stones und den Beach Boys war nicht viel los. Allgemein spricht man vom Death (Tod) des Rock. Andererseits nahmen Gruppen wie Led Zeppelin, Black Sabbath und Deep Purple in den frühen siebziger Jahren vielbeachtete Alben auf und bereiteten den Heavy Metal vor. Ab Mitte der siebziger Jahre wurde zwar der Disco-Sound ungemein populär (Film „Saturday Night Fever" 1977), aber Bands wie Status Quo, Slade, Queen, (aus Groß Britanien) Kiss und Aerosmith (aus den USA) spielten immer reine Rockmusik (Auch wenn die großen Abräumer Elton John, Pink Floyd, David Bowie und Genesis waren, die einen sehr verfeinerten, abgehobenen Stil des Rock pflegten). Am 01.12.1976 wurde durch einen Fernsehauftritt der Sex Pistols die sogenannte „Punk-Explosion" ( die Deutsche Antwort darauf war Nina Hagen) ausgelöst: Zum ersten Mal in der Geschichte des konservativen britischen Fernsehens fiel das Unwort "fuck" in einer Sendung! (Unnötig zu erwähnen, dass die Kariere des Moderators Bill Grundy nach diesem Zwischenfall beendet war.) Die Pistols waren zwar ein geplant provokativer Modegag ihres Managers Malcolm McLaren; die Bewegung, die sie auslösten, wollte jedoch alles Etablierte, Übernommene im Allgemeinen, und das Musikbusiness im Besonderen erschüttern. Angeregt durch die Pistols entstand auf der ganzen Welt eine Unzahl von Bands, die anfangs oft mangelnde musikalische Kenntnisse durch wütende Energie und Originalität kompensierten. Zu den bekannteren Punkbands gehörten in England The Clash, die U.K. Subs und Stiff Little Fingers. Auch hier könnten wir diskutieren, ob Punk nicht schon von amerikanischen Garagenbands der 60er Jahre gespielt wurde, The Doors sind immer wieder genannt, durch ihre Musik und Texte. Wie dem auch sei, die „New Wave" - der Sammelbegriff für alles, was ab 1976 anders als die traditionelle Popmusik war, brachte viele neue Impulse und wirkt bis heute in Mode, Musik und Zeitgeist nach.

Was denn?, noch eine Musikrichtung? Man – ihr könnte aber auch.... Naja in den 70er Jahren zu größerer Popularität gelangte, ist der Reggae. Die Anfänge dieser Musik riechen, äh ich meinte, reichen bis in die 60er Jahre zurück, als die Nachkommen der Sklaven auf Jamaika in den Ghettos eine eigene Version von Rock’n’Roll und New Orleans-Rhythm’n’Blues mit Elementen westindischer Musik spielten. Die Vorformen des Reggae waren die Bluebeat und Ska. Natürlich untrennbar verbunden mit dem Aufstieg des Reggae ist der Name Bob Marley. Marley hatte bereits 1961 mit 16 Jahren erste Plattenaufnahmen gemacht. Größerer (internationaler) Erfolg stellte sich ein, als er seit 1972 bei Island-Records unter Vertrag war. In den späten 70er/frühen 80er Jahren war er auch immer mal wieder in den Charts in Europa vertreten. Bob Marley starb am 11.05.1980 an Krebs.
Er war der erste Künstler der Dritten Welt, der internationalen Ruhm erntete, was ihm auch viel Neid einbrachte. Marleys Alben waren nicht nur musikalische Meilensteine für den, stark spirituell geprägten Reggae, auch seine Texte waren von poetischer Qualität und hatten oft brisante soziale und religiöse Inhalte. Reggae war am Anfang nämlich mehr, als der Happy-Sunshine-Urlaubs-Sound mit Karibik-Flair. Marley wurde 1976 bei einem Anschlag verletzt, weil er Frieden in seine von innenpolitischen Unruhen erschütterten Heimat Jamaika bringen wollte, indem er die Führer der beiden großen Parteien dazu brachte, sich bei einem Konzert auf der Bühne die Hände zu reichen. In verwässerter Form und auf Klischees reduziert fand der Reggae Eingang in den Mainstream des Pop.

 

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